Wagner

Richard Wagner

* Leipzig 22.5.1813

† Venedig 13.2.1883

Nie sollst Du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam‘ und Art.
In fernem Land, unnahbar Euren Schritten, liegt eine Burg, die Monsalvat genannt; ein lichter Tempel stehet dort inmitten, so kostbar als auf Erden nichts bekannt; drin ein Gefäß von wundertät’gem Segen, wird dort als höchstes Heiligtum bewacht. Es ward, dass sein der Menschen reinste pflegen, herab von einer Engelschar gebracht. Alljährlich naht vom Himmel eine Taube, um neu zu stärken seine Wunderkraft: Es heißt der Gral, und selig reinster Glaube erteilt durch ihn sich seiner Ritterschaft. Wer nun dem Gral zu dienen ist erkoren, den rüstet er mit überirdischer Macht; an dem ist jedes Bösen Trug verloren, wenn ihn er sieht, weicht dem des Todes Nacht; selbst wer von ihm in ferne Land entsendet, zum Streiter für der Tugend Recht ernannt, dem wird nicht seine heil’ge Kraft entwendet, bleibt als sein Ritter dort er unerkannt; so hehrer Art doch ist des Grales Segen, enthüllt muss er des Laien Auge fliehn; – des Ritters drum sollt Zweifel ihr nicht hegen, erkennt ihr ihn – dann muß er von euch ziehn. – Nun hört, wie ich verbot’ner Frage lohne: – vom Gral ward ich zu Euch daher gesandt: Mein Vater Parzival trägt seine Krone, – sein Ritter ich – bin Lohengrin genannt.
Nun höret noch, wie ich zu Euch gekommen. Ein klagend Tönen trug die Luft daher, daraus im Tempel wir sogleich vernommen, dass fern wo eine Magd in Drangsal wär‘; – als wir den Gral zu fragen nun beschickten, wohin ein Streiter zu entsenden sei, – da auf der Flut wir einen Schwan erblickten, zu uns zog einen Nachen er herbei: – mein Vater, der erkannt des Schwanes Wesen, nahm ihn in Dienste nach des Grales Spruch, denn wer ein Jahr nur seinem Dienst erlesen, dem weicht von dann ab jedes Zaubers Fluch. Zunächst nun sollt‘ er mich dahin geleiten, woher zu uns der Hilfe Rufen kam, denn durch den Gral war ich erwählt zu streiten, darum ich mutig von ihm Abschied nahm. Durch Flüsse und durch wilde Meereswogen hat mich der treue Schwan dem Ziel genaht, bis er zu Euch daher an’s Ufer mich gezogen, wo Ihr in Gott mich alle landen saht.

Lohengrin

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„Gleichwohl geht der Prozess der Emanzipation des Weibes nur unter ekstatischen Zuckungen vor sich. Liebe – Tragik“

Richard Wagner starb – herzkrank – am Nachmittag des 13. Februar 1883 in Venedig, nachdem er diese Zeilen schrieb. Sie bilden den Schluss des Fragments Über das Weibliche im Menschlichen.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.

Goethe

Den kleinen Tod,
den gibt’s zu zwein,
der große Tod
geht auch allein.

Gleichwohl geht der Prozess des Sterbens oft unter ekstatischen Zuckungen vor sich.

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